Singen lernen DIY

Die Hilfe zur Selbsthilfe

Grundsätzliches

Das Instrument des Sängers ist sein Körper. Praktisch ist, dass wir es immer dabei haben, unpraktisch jedoch, dass Singen nicht seine einzige Funktion ist und unser Instrument deshalb nicht unbedingt immer auf das Singen vorbereitet ist. Denn nicht nur der Kehlkopf ist am Singen beteiligt, sondern noch sehr viel mehr Teile des Körpers. Ohne Atmung könnten wir keine Töne produzieren, sie stellt den Motor unseres Instrumentes dar. Folglich beeinflussen auch alle an der Atmung beteiligten Muskelgruppen den Gesang. Diese werden wiederum von der Haltung des Körpers im Insgesamten entweder unterstützt oder beeinträchtigt. Wenn deine Haltung nicht gerade eine perfekt ausbalancierte mit minimalem Krafteinput ist, arbeitest du also gegen jahrelange Gewohnheiten. Trotzdem singen wir und das ist auch gut so. Wir verwenden das Instrument also bevor es fertig aufgebaut ist. Klar, das es da auch mal nicht so schön klingt. Deshalb sei geduldig mit dir selbst und freue dich über jeden Fortschritt, den du machst. Jeder Mensch ist verschieden, dir werden einige Dinger leichter fallen als anderen Menschen, dafür aber genauso andere Aspekte deutlich schwerer. Bitte erinnere dich immer daran, dass ich das studiert habe und in meiner Stimme viele Stunden Arbeit stecken. Es wäre ziemlich unfair von dir, das gleiche von deiner Stimme zu erwarten, ohne vorher diese Zeit hinein zu investieren, oder?

Behalte also folgendes beim Üben im Kopf:

Üben/Do it yourself:

Üben, was ist das? Üben machst du, damit die vielen Änderungen für das Singen, die du an deinen sonst meist unterbewusst ablaufenden Vorgängen wie das Atmen oder die Haltung, die Sprache und die Tonbildung vornimmst, tatsächlich wirken. Könntest du das nur über das schnelle Denken bewältigen, müsstest du nicht üben. Dann könnte ich einmal die Technik erklären, du sie verstehen und nach ein paar Stunden könntest du singen. Leider kann unser Gehirn nicht so viele Dinge gleichzeitig und hat zu vielen der Systeme keinen guten Zugang. Beim Üben setzt du dir kleine Ziele und arbeitest an nur einer Facette. Dies machst du mit sogenannten Übungen. Die können verschieden erscheinen, da sie auf deine Ziele zugeschnitten sind und auch von der Technik abhängen. So kann es eine Video-Körperübung für die Haltung sein, eine niedergeschriebene Atemübung oder eine Tonfolge auf Silben im Audioformat. Diese Tonfolgen sind meist sehr kurz und weniger anspruchsvoll als ein Lied, damit du dich ganz auf den einen Aspekt konzentrieren kannst, den du gerade verbessern möchtest. Hast du das geschafft, kannst du dich gerne an einem Lied ausprobieren. Konzentriere dich auch da nochmal ganz auf den Aspekt, den du verbessern willst, bevor du den anderen Facetten zuhörst. Da unser Instrument nur als Einheit funktioniert, benutzt du bei einer Übung für eine bestimmte Technik auch immer Bereiche aus anderen Techniken auch wenn du sie gerade nicht üben willst. Deshalb ist es vor allem am Anfang wichtig nur bei dem einen Aspekt zu bleiben und sich nicht davon verunsichern zu lassen, was drum herum passiert. Sobald die neue Technik nicht mehr 100% deiner Aufmerksamkeit braucht, kannst du wieder auf andere Bereiche des Singen achten, aber nur solange der zu verbessernde Aspekt nicht darunter leidet. Wir versuchen dem Körper beim Üben also bestimmte Verhaltensweisen anzutrainieren, damit sie später „wie von selbst“ funktionieren und wir den Kopf für andere Dinge frei haben (für den Liedtext zum Beispiel).
Die verschiedenen Techniken für das Singen habe ich in Bereiche zusammengefasst. Du solltest in jeder der Techniken weiterkommen, in deinem Tempo und unter deinen Bedingungen, Bereiche wegzulassen, funktioniert jedoch nicht.
Grob gesagt ist Singen wie Sport: Aufwärmen, Technik, runterkühlen.
Wenn du übst, beginne damit, deinen Körper aufzuwecken (siehe Übungen Haltung), die Atemmuskulatur zu aktivieren und zu trainieren (siehe Atmung) und dann die Stimme sanft zu wecken (siehe Wake-Up). Nun bist du bereit für Übungen und Aussingen. Übe die Techniken, wo du dich weiter entwickeln möchtest. Wiederhole ein paar Sachen, die du bereits erreicht hast, vielleicht vom letzten Mal Üben, damit sie sicherer und selbstverständlicher werden. Ganz wichtiger Bestandteil: Spaß! Sing ein Lied, meinetwegen dein Lieblingslied, und benutz deine Stimme! Versuch auf deine neuesten Verbesserungen zu achten. Und mach am Ende den Song einmal mit der Technik nur im Hinterkopf, dafür hast du schließlich geübt, dass du jetzt drauf los singen kannst.
Du musst nicht immer alle Bereiche behandeln und auch nicht übermäßig lange üben. Hauptsache du bleibst am Ball. Eine Stunde Singen am Tag ist das Maximum (es sei denn du möchtest Profi werden; unter der Dusche und beim Putzen zählt nicht), eine Stunde in der Woche das Minimum, wenn du deine Stimme tatsächlich ändern willst. Hier zählt „A little goes a long way“ - kleine Menge, große Wirkung. Es ist sinnvoller öfter ein bisschen Zeit in das Singen zu investieren, als selten viel Zeit. Dein Körper merkt sich das nicht wochenlang; use it or lose it. Also Sing! - und du wirst sehen, dass es besser wird.

Checkliste:

Haltung

Da dein Körper dein Instrument ist, solltest du ihn vor dem Singen aufwecken und darauf vorbereiten. Je nachdem wie es dir an dem Tag geht, kann das ganz unterschiedlich ausfallen, mal mehr, mal weniger. Du kannst eins oder mehrere Programme hintereinander machen, wenn du möchtest. Perfekt auf das Singen vorbereitet bist du, wenn dein ganzer Körper wach und entspannt, also leistungsbereit ist. Du solltest nicht mehr müde sein und dich nicht nach dem nächsten Kaffee sehnen, genauso wenig wie erschöpft und außer Puste sein. Zwischen den beiden Extremen bist du richtig und kannst selbst auch am besten beurteilen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Atem

Eigentlich ganz einfach, machen wir alle schließlich seit unserer Geburt, oder? Fast.
Es ist ein bisschen so, als hättest du schon viel Erfahrung mit einem Vorschlaghammer, doch statt nun Mauern niederzureißen sollst du aus einem Mamorblock eine filigrane Statue fertigen.
Auf einmal bringen dir deine bisherigen Erfahrungen nicht mehr viel. Du meinst wir verwenden das falsche Werkzeug? Mag sein, aber der Händler meines Vertrauens hat eine striktes Nachbesserungsverbot und somit müssen wir mit der Grundausstattung arbeiten.
Unsere Grundausstattung soll uns schließlich auch zu höchsten sportlichen Leistungen befähigen, deshalb ist es gut, dass sie so viel leisten kann. Auch sehr anstrengend aber auf einer ganz anderen Ebene ist die Sängeratmung, da wir andere Muskelgruppen beanspruchen. Wo wir beim Sport schnell möglichst viel Luftvolumen umsetzen müssen um an viel Sauerstoff zu kommen, müssen wir beim Gesang sehr wenig Luft über eine lange Zeit hinweg konstant abgeben. Statt der Ausatemmuskulatur ist hier die Einatemmuskulatur gefordert und zwar auch beim Ausatmen. Aber alles zu seiner Zeit, singen kannst du bevor du irgendeine Technik meistert. Der Sinn der Technik ist, dir das Singen zu erleichtern und ermöglichen (langfristig gesund), wenn sie das nicht tut, hat sie keine Daseinberechtigung mehr. Deshalb arbeite dich durch die einzelnen Übungen, beginne mit der ersten und wenn dir das Prinzip klar und es dein Körper verinnerlicht hat und ohne großes Nachdenken erzeugen kann, dann geh an die nächste Übung. Du kannst immer wieder zu deinen früheren Übungen zurückkehren.

Kopfstimme

Bruststimme

Registerausgleich

Vokale

Warm-Up

Legato

Artikulation

Haltung

Pass auf deinen Körper auf und mach nur so weit mit, wie es für dich geht. Wenn du bei der Hälfte der Bewegung merkst, dass da die Grenze ist, dann respektiere das und wärme dich innerhalb deiner persönlichen Möglichkeiten auf.

Übungen: